Bruder Puff Was tuhe ich eigentlich hier?

Gender:  Joined: 03 Jul 2006 Posts: 308 Location: Bremen
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Posted: 27.07.2006, 13:04 Post subject: Für Experten: Wie man gefechtsmäßig/professionell trinkt |
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SO geht´s richtig:
1. Ein Bier bestellen geht gar nich. Damit sagt man, daß man ne
knickrige Sau is, keine Freunde hat oder Antialkoholiker, quasi das
Allerletzte.
2. Also immer mindestens zehn Stück, einen Meter oder ein
ganzes Tablett. Nie vorher abzählen, wieviel Leute um einen herumstehen
und dann genau die Anzahl bestellen.
Am besten irgendeine Zahl über die Theke grölen und ab dafür.
3. Ganz falsch: Die Umstehenden fragen, ob sie überhaupt noch ein Bier
haben wollen.
Wichtige Regel: gefragt wird nich. Saufen ist schließlich kein Spaß.
4. Wenn der Stoff da is, nich blöd rumgucken und überlegen, wem man
denn eins in die Hand drücken soll. Am besten die Gläser wild in der
Umgebung verteilen, denn nur so zeigt man seine Großzügigkeit.
Nur der kleinkarierte Pisser stellt sich da an.
5. Wer zahlt wann welche Runde? In der Regel kommt jeder der Reihe nach
dran. Ganz miese Wichser saufen die ersten neun Runden an der
Theke mit und wenn sie an der Reihe wären, müssen sie plötzlich pissen.
Der erste Besteller bestimmt meist die Dauer des Projekts:
Wenn er zwölf Bier bestellt, müssen alle solange warten, bis zwölf Runden
durch sind. Wichtig ist, daß der Strom nie abreißt. Also
wenn alle noch die Hälfte im Glas haben, sofort die nächste Runde ordern
und das neue Glas in die Hand drücken.
Was voll peinlich ist: Mit zwei Gläsern in der Hand an der Theke stehen,
deshalb is Tempo angesagt beim reinschütten, is schließlich kein
Kindergeburtstag.
6. Richtig fiese Schweine bestellen zwischendurch noch ne Runde
Korn oder die absolute Hölle "Meyers Bitter", eine Art grünes
Schlangengift, dass mit dem Eiter von toten Fröschen verfeinert
wurde. Hier wirds ernst. Sollte sich sowas andeuten, kann man bloß noch
die Flucht ergreifen. Merke: Biersaufen kann man überleben
aufm Zeltfest mit etwas Planung und Glück; nach Meyers Bitter weigert
sich sogar der Notarzt, diese Schweinerei wiederzubeleben.
7. Konsequent durchgezogen, bist Du normalerweise aufm Zelt um halb
Neun stramm wie die Kesselflicker. Geht natürlich nich, weil Du kannst ja
noch nich Hause, wegen Verdacht auf Weichei. Was also
dann?
Pausen machen! Dafür sind in der Regel zwei Sachen vorgesehen:
Bratwurstfressen und Tanzen.
Erstens: Bratwurstfressen
Vorteil: an der Bude gibs kein Meyers Bitter, da bist Du also ne zeitlang
sicher vor der Alkoholvergiftung durch andere. Nu sind die
Bratwurststände auf Zeltfesten immer so Konzipiert, daß die Nachfrage
immer größer ist als das Angebot. In der Bude arbeiten
auch meistens Fachkräfte, denen man beim Grillen die Schuhe
besohlen kann. Einzige Qualifikation: sie können mit einem
Sauerstoffanteil in der Luft von unter 1%
überleben, deswegen wirken sie auch so scheintot. Nu sagt der
Laie: wat´n Scheiß, das könnte man doch viel besser organisieren: zackzack
kämen die Riemen übern Tresen.
Falsch: die mickrigen Bratwurstbuden mit den Untoten am Grill stehen da
nichaus Versehen, sondern absichtlich. Hier kann man
Asyl beantragen von der Sauferei und je länger man auf den verkohlten
Prengel warten muß, desto größer die Überlebenschance.
Zweitens: Tanzen
Im Vergleich zu Bratwurstfressen natürlich die schlechtere Wahl, weil
anstrengend und mit Frauen. Aber irgendwann geht halt
kein Riemen mehr rein in den Pansen und Du mußt in den sauren Apfel
beißen.
Also zack, einen Rochen von den Bänken gerissen und
irgendwie bescheuerte Bewegungen machen. Wenn Du Glück hast, spielt die
Kapelle mehr als zwei Stücke und Du kannst Dir ein paar Bier
ausse Rippen schwitzen. Hast Du Pech, kommt sofort nachm ersten Stück der
Thekenmarsch und Du stehst wieder da, von wo Du gerade
geflohen bist.
Drittens: Sektbar
Eine richtig gruselige Bude, quasi die Abferkelbox im Festzelt.Hier
isses so voll und eng, hier bleibst Du auch noch stehen, wenns
eigentlich nich mehr geht.
Es soll schon Kriegsverletzte gegeben haben, denen hat man in der Sektbar
beide Beinprothesen geklaut und sie habens nich gemerkt.
Doch der Preis, den Du für die Stehhilfe zahlst is hoch: Du mußt Sekt
saufen aus so mickrigen Blumenvasen, die man von
der Spermaprobe beim Urologen kennt. Ziemlich eklig alles. Wenns keine
Sektbar gibt, gibst meist ne Cocktailbar: Cocktail heißt im Zelt aber
nich Caipirinha oder Margerita sondern Fanta/Korn oder Korn mit Fanta. Also
vorsichtig. Hier kanns ganz schnell zuende gehen.
Eine Alternative für den ganzen schnellen Weg ins Nirwana is noch der
hannoversche Zaubertrank: Lüttje Lage. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her
immer noch ne reelle Sache: So besäuft sich der kritische Verbraucher und
hat es ruckzuck geschafft.
Doch bevor Du nach Hause darfst, kommt noch ein ganz wichtiger
Punkt, nämlich...
Viertens: Kotzen
Klingt scheiße, Du wirst aber dankbar sein, wenn Dein Körper, Dir dieses
Geschenk bereitet. Du hast Platz für neue Bratwürste und
vielleicht sogar Glück, dass Du die letzten zwanzig Bier noch erwischt,
bevor sie Dein Gehirn erreicht haben.
Der Profi jedenfalls kotzt oft und gern. - So jetzt wären wir auch schon
bald beim Nachhause gehen. Haha. Wenn Du aber den Zeitpunkt
verpaßt hast, und Du kommst vom Pissen oder Bratwurstkotzen wieder ins
Zelt und es sind bloß noch zwanzig Mann übrig.
Ätsch: Arschkarte gezogen. Denn jetzt heißt es:
Fünftens: Die Letzten
Ab jetzt geht es um so spannende Sachen wie Faßaussaufen - es is immer
mehr drin, als Du denkst, oder Absacker trinken, wenns ein
Meyers Bitter ist, kannst Du Dir gleich den Umweg über den Notarzt sparen
und den Bestatter anrufen. Jeder paßt jetzt auf, daß keiner heimlich
abhaut.
Die ersten sacken einfach so vor der Theke zusammen, damit sie jedenfalls
nich noch mehr saufen müssen. Vorteil dieser Phase des Zeltfestes: Du
musst nich mehr extra nach draußen latschen für Pissen und Kotzen: geht jetzt
alles vor Ort.
Sechstens: Nach Hause
Fällt aus. Mach Dir keine Illusionen: alleine schaffst Du s nich mehr,
Taxis gibst nich aufm Land, und wenn, würden sie Dich nich
mitnehmen. Deine Frau kommt nich, um Dich zu holen, die is froh, daß
dieses Wrack nich inner Wohnung liegt und der Gestank in die
Möbel zieht. Was bleibt ist..
Siebtens: Der Morgen danach
Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die
Ritzen in der Zeltfestplane. Du wirst wach von einem Zungenkuß, wie Du
ihn noch nie in Deinem Leben gekriegt hast.
Leidenschaftlich küßt Du zurück. Dann machst Du Deine verklebten
Augen auf und blickst in das fröhliche Gesicht des zottigen Köters von
dem Karusselfritzen. Und mit einem eigenen Beitrag zum Thema
Würfelhusten fängt der Tag wieder an.
Dein Kopf fühlt sich an wie nach einem Steckschuß. Jetzt hilft nur noch:
Stützbier bis die Maschine wieder halbwegs normal läuft. Seid froh, dass
die Schützenfest-Saison vorbei ist, wir alle hier können
stolz und fröhlich sein, denn wieder einmal haben wir es überlebt. _________________ Mein Leben ist wie ein finnischer Film - erst passiert die ganze Zeit nichts und am Ende sind alle tot |
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